9
Jan
2014

...

Ja, es gibt Menschen, die reden einfach zu viel, deshalb sollten sie hin und wieder eine Weile schweigen. Also ich rede von Menschen wie mir. Dann gibt es die andere Sorte, die sich zurückhält, dabei hätten sie vielleicht wirklich etwas zu sagen, und sollten dies auch tun. Hier rede ich von Menschen wie mir. Paradox, denke ich bei mir. Und dann?

Dann bemerkt man, dass wenn man schweigt, eigentlich die Zeit des Aussprechens wäre, und redet man all das Erschwiegene in eine halbe proppe Stunde, spürt man ein so starkes Bedürfnis nach Schweigen, aber es erbricht sich. So wird es vielmehr absurd, denn das Puzzle wird nicht etwa auf einer weiten Fläche zum Bild zusammengelegt, sondern die Teile stapeln sich zu einem Turm in kürzester Zeit, man sitzt im Dachgewölbe und schaut hinab, hat den Überblick vielleicht, aber dennoch kaum Raum zu berühren. Nur ein Gefühl bleibt, wie es aus dieser Unbalanciertheit, diesem Ungleichgewicht hinauszufinden möglich sein könnte. Obwohl man sehnsüchtig in die Weite blickt, so hat sich die Kurzsichtigkeit eingestellt.

Die Stimmung des so verehrten Paradoxons, die einem einerseits so viel Ruhe schenkt, aber dem menschlichen Ausdruck immer ferner zu werden scheint und man wie in einem Zug sitzt, die vorübergleitenden Landschaften aufsaugt, aber doch weiß, dass man gegenstandslos wird, dass man sich aus diesem einen Grunde herauszieht, aus dem Bild. Darüber mittig schmerzt, dass man dauernde Abschiede herbeisehnt, damit man sich noch besser an sie gewöhne. Alles Interesse immer gleich auch Abschied bedeutet und darin eine solche Schönheit verborgen liegt, dass man; dass ich es nicht aushalte. So bleibt also mein Interesse an den Dingen immens, sogleich aber der Abschied jedoch noch viel immenser, mein Interesse am Interessanten da, mein Interesse am Abschied dada - ich springe wie ein Alleinspieler von einer Seite der Wippe zur anderen und während sich der Balken von eigener Höhe in eigene Tiefe bewegt, werde ich sehr klar darin zu sehen, dass ich den Abschied allem vorziehe, bevor er mich überraschen könnte. Ich verabschiede, bevor ich überhaupt zu vollendetem Hineinlassen komme. Mich auf die Dinge einzulassen, denn ich fühle mich ihnen so tiefnahe, dass der viel zu frühe Abschied ein alter Bekannter bleibt, ohne zu einem wirklichen Vertrauten zu werden, den man bereit ist, wirklich kennenzulernen. Dass ich wider besseren Empfindens gegen die innerste Sehnsucht handele und stets einen vergleichsweise schwachen Abschied feiere, der aber eine weitaus höhere Wertschätzung verdient hätte. Denn zerreißen wird er nur das Bild.
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Zuletzt aktualisiert: 11. Jan, 22:11

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